Loyalität oder: Ambivalenzen einer Beziehungsmoral

Ein kritisch-selbstreflexiver Workshop

Die Forderung einer „Kultur der Aufmerksamkeit“ ist seit einigen Jahren sehr präsent und Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe sind mittlerweile rechtlich dazu verpflichtet, ein Schutzkonzept zu entwickeln. Aber warum eigentlich? Gehört Schutz vor Gewalt neben individueller Förderung und Teilhabe nicht immer schon zum Selbstverständnis jeder pädagogischen Institution?

 

Die Rede von einer „Kultur der Aufmerksamkeit“ oder des „Hinsehens“ beinhaltet einen moralischen Vorwurf, der seit Bekanntwerden des systematischen sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen am Berliner Canisius-Kolleg und in der Oberhambacher Odenwaldschule im Jahr 2010/2011 immer wieder neu aufgerufen wird: den Vorwurf, nicht hingesehen zu haben, nicht aufmerksam gewesen zu sein, oder gar aktiv wegzuschauen, wenn es um (sexualisierte) Gewalt geht.

2012 veröffentlichte das Bundesministerium für Familie, Senioren Frauen und Jugend eine Statistik, die bis heute in unzähligen Vorträgen und Workshops zum Thema Gewalt gegen Kinder und Jugendliche zitiert wird: „Schätzungen zufolge müssen Kinder und Jugendliche durchschnittlich sechs Erwachsenen von erfahrener (sexualisierter) Gewalt erzählen, bis ihnen die siebte Person glaubt“.

 

Was wissen wir eigentlich über die Gründe oder: die Motive der Erwachsenen, die nicht zuhören, die wegsehen – die also wissen könnten, aber nicht wissen wollen?

Der Workshop beinhaltet eine intensive Auseinandersetzung mit eigenen Loyalitäten (Bindungen an Werte und nahe Personen). Gemeinsam wollen wir herausfinden, inwiefern Loyalitäten Ressource professionellen Handelns sein können, und welche (ungewollten) Konsequenzen sich aus Loyalitäten ergeben – für die Fachkräfte selbst, und für die Adressat*innen der Einrichtung. Im Sinne eines ernst gemeinten Gewaltschutzes nehmen wir darüber hinaus Loyalitäten als Täter*innenstrategie in den Blick.

Ziel des Workshops ist das gemeinsame Entwickeln von Strategien, Gruppendynamiken zu begegnen und wirksame Intervention bei grenzüberschreitenden, übergriffigen oder gewaltvollen Handlungen zu ermöglichen, ohne Aspekte der Selbstfürsorge zu vernachlässigen – oder die Adressat*innen aus dem Blick zu verlieren.
Der Workshop findet in Präsenz statt. Der Veranstaltungsort ist in Neumünster.

Ablauf und Themen der Veranstaltung:

09:00-09:30: Hinführung und Einführung

09:30-10:30: Beziehungen und Kommunikation 1: Teamstrukturen und Einrichtungskulturen verstehen

10:45-11:45: Beziehungen und Kommunikation 2: Partizipation und Beschwerdeverfahren der Adressat:innen einordnen

11:45-12:15: Praxis- und Erfahrungsaustausch

Mittagspause

13:00-14:30: Loyalität – Ambivalenzen einer Beziehungsmoral: Täter:innenstrategien analysieren

14:30-15:30: Unmögliche Notwendigkeiten: Ambivalenzen suchen, Responsivität und Handlungsfähigkeit erhalten, Unterstützung organisieren

15:30-16:00: Praxis- und Erfahrungsaustausch

16:00-16:15: Abschluss und Verabschiedung

Veranstaltungsdozent*in

Dr. Laura Böckmann

Akademische Mitarbeiterin der Abteilung Allgemeine Pädagogik Leiterin der Zusatzqualifikation „sexualisierte Gewalt in pädagogischen Einrichtungen“ Institut für Erziehungswissenschaft Universität Tübingen

Veranstaltungsdozent*in

Michael Katzer

Beruflicher Hintergrund: – Exam. Kinderkrankenpfleger – Diplom-Heilpädagoge – Master of Advanced Studies in Applied Ethics (MAE) – Interner Berater im Kontext von herausfordernden Verhaltensweisen – Verfahrenspfleger freiheitsentziehende Maßnahmen.
Am

13.03.2026

Die Veranstaltung richtet sich an:

Alle Fachkräfte aus Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe sowie der Eingliederungshilfe

Hinweise zum Angebot:

Diese Veranstaltung findet in Präsenz statt. Der Veranstaltungsort lautet:

Best Western Hotel Prisma
Max-Johannsen-Brücke 1 | 24537 Neumünster
Tel. (0 43 21) 9 04 0 | Fax: (0 43 21) 9 04 – 4 44
info@hotel-prisma.de | www.hotel-prisma.de

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